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fractal photography?

Eine Frage an den Fotografen:

Wie entstehen solche Bilder?

Impressed Reflectionin der Pause eines Workshops schauten wir einmal meinen Kurzfilm „Impressed Reflection" von 2005 an, in dem meine ersten digital bearbeiteten Fotografien von Wasser den Bildern von Claude Monet gegenüber gestellt werden.

Nach dem Film fragte mich ein Teilnehmer: „Herr Schrei, kann ich das mit meiner Kamera auch machen?“ Er hielt seine kleine Kompaktkamera in die Höhe.
Da wusste ich zuerst keine Antwort. Denn es war mit klar dass ich mit dieser Kamera solche Bilder machen konnte, aber er nicht.

Am Ende des Workshops konnte ich ihm eine Antwort geben: „Sie müssen erst mehr als hunderttausend gute Fotografien gemacht haben, damit Sie solche Bilder überhaupt sehen“.

Es liegt also nicht an der Kamera, am Instrument des Fotografen. Es liegt am Sehen und Vorstellungsvermögen.

Auch bei einem Musiker macht nicht das Instrument die Musik, sondern der Musiker. Wenn ein Musiker ein neues Stück komponiert, dann entsteht diese Musik zuerst im Kopf. Der Komponist transkribiert diese Komposition dann so, dass sie mit einem oder mehreren Instrumenten umgesetzt werden kann. Hierzu muss er ganz genau wissen, welches Instrument welche Töne erzeugen kann und wie man es benutzen muss.

Der Prozess bei dieser kompositorischen Fotografie ist genau gleich. Auch bei mir entsteht ein Bild in einem Prozess der Prä-Visualisation zuerst im Kopf. Das ist meist noch keine detaillierte Umsetzung. Ich kann mir jedoch schon sehr genau vorstellen, wie bestimmte Farben verändert werden können oder welche Möglichkeiten es gibt, um Formen zu verändern und zu reduzieren.

Ein geübter Modedesigner wird auch keine Schwierigkeit haben sich vorzustellen, welche Wirkung ein Kleid in einer anderen Farbe oder einem veränderten Schnitt haben wird.

Der weitere Schritt ist dann die Umsetzung. Wie wird aus der visuellen Komposition ein fotografisches Bild? Hierzu muss man die Möglichkeiten des Instrument „Kamera“ genau kennen. Das fotografische Bild bildet die Grundkomposition. Mit Photoshop werden darauf aufbauend fotografische Variablen wie Farbe, Gradation, Helligkeit, Farbsättigung, etc. verändert.

Bei der „fractal photography" kommt nach den Veränderungen in Photoshop ein mathematisch berechnende Prozess hinzu. Durch diese Berechnung entsteht aus einem statischen Pixelbild ein neues Bild mit abstrakten Formen. Hierzu ist zwar kein gesondertes Programm notwendig, jedoch wird Photoshop in einer Weise genutzt, die so sicher nie vorgesehen war.

Am anschaulichsten könnte man diesen Prozess vergleichen wie einen Frequenzgenerator bei der Musik. Mit einem Synthesizer werden elektronisch Klänge erzeugt, die völlig neue musikalische Ausdrucksformen eröffnen. Durch die „fractal photography“ werden abstrakte Formen erzeugt, die eine neue Dimension fotografisch-bildnerischer Ausdrucksformen ermöglicht.

Diese Bilder sind also keine „Photoshop Spielereien" sondern visualisierte fotografische Kompositionen, die in einem dreistufigen Prozess entstehen.

Zuerst die fotografische Aufnahme. Diese Aufnahme bildet die fotografische Grundkomposition. Es müssen viele Bedingungen erfüllt sein, damit sich am Ende des Prozesses auch die gewünschten sich überlagernden Farben und Formen bilden können.

Der zweite Schritt ist die gezielte farbliche Veränderung des digitalen Bildes. Dies erfordert einerseits einen sehr umfassenden Erfahrungsschatz über Wirkung und Wechselwirkung von Farben. Die Fotografie hat zudem auch einen stark erweiterten Farbenraum zur Verfügung. Jede Farbe kann durch Invertierung als Negativ verwendet werden, zudem beruhen bei dieser Bildbearbeitung viel Effekte auf Solarisation.

Ebenenverechnung bei fractalphotography

Der dritte Schritt ist die mathematische Neuberechnung des Bildes. Der Input ist hierbei nicht eine fixierte mathematisch Formel, sondern das digital veränderte Pixelbild. Die Berechnung erzeugt sich wiederholende Vektoren, bleibt jedoch nach wie vor ein fotografisches Pixelbild. pixel zu fractal

Damit sich bei Pixelbilder solche feinen Linien und Formen überhaupt bilden können, muss der Dateninput entsprechend groß sein. Die Datenmenge der ursprünglichen Fotografie wird hierzu, mittels Interpolation, auf über ein Gigabyte vergrößert. Da zudem mehrere Bildebenen in spezieller Weise miteinander verrechnet werden, sind die Arbeitsdateien ein mehrfaches dieses Wertes. recolured ausschnitt, pfractal photography

Wird der Dateninput vergrößert, bilden sich neue Fraktale in Form neuer sich überlagernder Linien und Formen. Wie bei den bekannten fraktalen Bildern die auf definierten mathematischen Formeln beruhen (Mandelbrot) entsteht auch hier durch „hineinzoomen“ immer etwas Neues. Welche Formen sich konkret bilden, kann jedoch nicht vorhergesagt werden.

Die Auflösung der ursprünglichen fotografischen Aufnahme hat nur sekundären Einfluss auf die Größe der Bildausgabe. Primär ist die zur Verfügung stehende Rechenleistung. Bei entsprechend großem Dateninput können Fassaden große Bilder in hoher Auflösung berechnet werden. Die Größe des letztlich entstehende Bildes ist bei der „fractal photography" daher kein relevantes Bewertungskriterium.

recolured ausschnitt, pfractal photography

Die Ausgabe der Datei in ein begreifbares, fotografisches Bild erfolgt dann mittels Inkjet Technologie. Mit dieser können diese Bilder dann als Gesamtes oder in Segmenten ausgedruckt werden.

Die Abstraktion eröffnete in der Malerei einen völlig neuen, praktisch unendlich großen Gestaltungsraum. In gleicher Weise wird der Fotografie durch die „fractal photography“ ein unendlich großer Gestaltungsraum eröffnet.

 

 

Artikel in der Memminger Zeitung am 19. August

Die Kunst des Weglassens

Kunstführung Mewo

von Harald Holstein

Die gerade laufende Ausstellung „Never Enough“ in der Memminger Mewo-Kunsthalle mit Werken aus der Sammlung der bekannten Galeristin Monika Sprüth bietet mit Rosemarie Trockel, Cindy Sherman, Andreas Gursky, Thomas Ruff und anderen einen sehr gewichtigen Schwerpunkt Fotografie.
Wie jede andere Kunst auch, wird sie nicht nur von künstlerischen, sondern auch von handwerklichen Aspekten bestimmt. Dazu gab es nun eine Führung mit dem Fotografen René Schrei (Sontheim) zu den gezeigten Fotokunstwerken. Dabei sollten die technischen Bedingungen der Fotoarbeiten und besondere Einblicke in die fotografische Sprache der „Düsseldorfer Schule“ im Fokus stehen.

Kennzeichnend für den Stil dieser viel beachteten Schule ist die konsequent herausgearbeitete Sachlichkeit und Objektivität, mit der das Fotografen-Ehepaar Bernd (1931 bis 2007) und Hilla (1934 bis 2015) Becher sich der Wirklichkeit widmete. Musterbeispiel dafür sind die in der Ausstellung zu sehenden „Wassertürme“. Diese funktionalen Bauten werden auf das Wesentliche reduziert und nach einem immer gleichen, akribisch festgelegten Muster abgelichtet. Es gibt keinen durch Wolken strukturierten Himmel. Der Hintergrund ist neutralisiert und auch extreme Licht- und Schattenkontraste werden bewusst vermieden, erläuterte René Schrei. Er wies auch darauf hin, dass schon mit der Wahl eines bestimmten Fotopapieres jede dramatische Wirkung zurückgenommen wird.

Seit 1976 hatte Bernd Becher die erste Professur für künstlerische Fotografie an der Kunstakademie Düsseldorf inne. Die extreme Nüchternheit setzte sich auch bei seinen Schülern fort, wie an Gurskys Rhein-Darstellung von 1996 und Thomas Demands (nachgebauter) Fußballkabine der WM 1954 von 2002 nachzuvollziehen ist.

Die aufmerksamen 36 Zuhörer erfuhren auch einiges über die Haltbarkeit der Fotopapiere. Frühersorgten Baryt- und Silber-Gelatine- Abzüge nach gründlicher Wässerung für eine Haltbarkeit von bis zu 300 Jahren, erklärte Schrei. Heute bereiteten nicht mehr so gründlich ausgewaschene Chemikalien und auch die Größe der digital bearbeiteten Bilder Schwierigkeiten. Die Fotografien, die teilweise Verkaufssummen von 1,5 oder 3 Millionen Euro erzielten, bleichen aus oder bekommen einen Gelbstich.

Immenser Erfolg

Aber gerade dieser immense künstlerische Erfolg warf bei einigen Zuhörern Fragen auf. Warum sind diese Bilder so teuer? Mancher konnte den künstlerischen Wert der kargen, ernüchternden Bilder der „Becher-Schule“ im Vergleich zu den scheinbar kreativeren Selbstdarstellungen einer Cindy Sherman nicht anerkennen. Rene Schrei führte für den Erfolg sehr allgemein das politische und historische Umfeld als Faktoren an. Auch die Marktgesetze spielten eine große Rolle — die er aber nicht näher verdeutlichte. So wie diese blieben auch andere Fragen offen.

Später ging Schrei selbstbewusst zu einer Präsentation seiner eigenen Kunst über und setzte anhand einer mitgebrachten Fotoarbeit sein künstlerisches Konzept des bunten
Chaos gegen das der retuschierten und aus mehreren Bildern zusammengesetzten Reduktion. Hier verlor Schrei nach eineinhalb Stunden handwerklich und technisch aufschlussreicher Informationen ein wenig an Objektivität. Denn welcher Künstler möchte nicht, wie Rene Schrei es von sich behauptete, „gegen elitäre Kunst angehen und versuchen, eine neue Dimension in der Fotografie zu schaffen“

Bildgeschichten - Der Flug

SchattentanzDer Flug

Bis ans Ende der Welt.

Zu diesem Weißkopf Seeadler gibt es eine wahre Geschichte.

Der Adler war eine Dame mit den Namen Aquilla. Zuhause war Sie in der Burg Oberkapfenberg, in der
österreichischen Steiermark.


Aquilla machte immer mal größere Ausflüge, nach ein paar Tagen kam sie dann wieder. Keiner machte sich anfangs große Sorgen, als Sie wieder einmal einige Tage weg blieb. Doch nach drei Wochen war Sie immer noch verschwunden.

Dann kam doch noch ein Anruf, man hatte Aquilla gefunden und in eine Garage gebracht. Man freute sich und wollte Sie schnell abholen.


Aber so einfach war es nicht. Das Haus war in Dänemark, direkt am Meer. Aquilla flog wohl bis ans Ende der Welt.

Der rote, bedrohliche Himmel ist Munchs „Der Schrei“ nachempfunden.

Bild der Woche27

Bildgeschichten - Black Swan

SchattentanzBlack Swan

Was macht ein Bild zu etwas, das Symbolkraft besitzt?

Ein schwarzer Schwan, ein Symbol für etwas das man so noch nie gesehen hat und das doch vorhanden ist. Es ist die Fotografie eines schwarzen Schwan, jedoch macht erst die Bildbearbeitung das Bild zu etwas besonderen. Wobei die "Bildbearbeitung" grundsätzlich nur die Umkehrung in ein Negativ ist. Dadurch wandelt sich in faszinierender Weise das Innere nach Außen.

Doch darüber hinaus faszinierte mich die Form, ohne dass ich anfangs sagen konnte was es ist. Erst als ich für einen Prospekt eine Möbiusschleife fotografierte, sah ich den Zusammenhang: Black Swan symbolisiert die Unendlichkeit.

Bild der Woche 26

Bildgeschichten - Gitarrist Mochental

SchattentanzGitarrist Mochental #2, cyan

Dynamisch fotografiert, fractal
ausgearbeitet.

Bei einer Vernissage in Schloss Mochental fotografierte ich
dieses Gitarristen-Duo. Es entstanden auch zwei Portraits,
die mit einem Zoomeffekt fotografiert wurden.

Diese Fotos wurden dann fractal ausgearbeitet.

Dabei entsteht die Räumlichkeit durch Flächen, nicht durch eine zentrale Perspektive.

Eine kubistische Fotografie, die
darüber hinaus faszinierende
Details offenbart.

Bild der Woche 25

Bildgeschichten - Schattentanz

Schattentanz

Schattentanz #3 fractal

Schattentanz ist eine Serie, die ich einmal Anfang der 90er Jahre auf Polaroid Kleinbild-Dia fotografierte.

Das waren Kleinbildfilme, die mit einem Tischprozessor
entwickelt wurden. Nix zum
Vergrößern, aber herrlich zum experimentieren.

Gesannte Polaroid-Dias eignen sich hervorragend als Basis für die fractal photography.


Bei der Ausarbeitung wollte ich bei diesem Bild warme Farbtöne, Gelb und
Rot - einfach ein fröhlicher Tanz.

Die Schattentanz Serie wurde dann Anfang 2018 auch noch weiter fortgeführt. Weiter abstrahiert und in der Komplexität reduziert.

 

Bild der Woche 24

Bildgeschichten - Lünersee

Lünersee fractal

Lünersee fractal

Das Source-Photo ist eines der großformatigen Negative das ich 1993 fotografiert und in den letzten Jahren digitalisiert habe. Damals bin ich mit der Großformat-Ausrüstung, die gut 25 kg wog, zur Totalp hinaufgeschnauft.

In einem Gespräch kamen wir auf den Spruch: „In Weiß sind alle Farben“ zu sprechen. Wobei es nicht so sehr um das reine Weiß geht, eher um die Abstufung der Grautöne.

Doch ein SW-Bild ist ja im Prinzip nichts anderes. Lässt sich solch ein Bild mit fraktaler
Technik farbig ausarbeiten? Das Ergebnis spricht wohl für sich.

Bild der Woche 23

Bildgeschichten - Equivalent 107

Equivalent 107

Equivalent 107

Der Name der Equivalent Serie geht für auf die gleichnahmige Serie von Alfred Stieglitz zurück. Alfred Stieglitz hat (in den Jahren 1925 - 1931) über 150 verschiedene Wolkenbilder fotografiert. Es ist auch bekannt, das dies für Ihn auch eine Auseinandersetzung mit der Äquivalenztheorie war, die auch Kandinsky beeinflusst hat.

Meine Equivalent Bilder sind Wolkenbilder, die nicht nur zufällig sowohl kompositorisch wie auch bei der Farbigkeit eine hohe Affinität zu den Bildern von Kandinsky haben.

Die Räumlichkeit der Aufnahme resultiert aus dem Source-Photo. Bei diesem Bild
wird richtig deutlich, in welcher Weise die ursprüngliche fotografische Aufnahme die
Komposition des Bildes bestimmt.

Die Ausarbeitung ist aufwändig und umfasst mehrere Farbraume. Das Bild besticht nicht so sehr durch die Feinheit der Linien, sondern vielmehr durch wunderschöne Details, die natürlich erst beim detailierten Betrachten sichtbar werden.

Bild der Woche 22

Bildgeschichten - Gitarre fractal

Gitarre fractal

Gitarre fractal


Kubic MusicKubic Music - Gitarre. Eine sehr frühe Studioaufnahme vom März 1991.

Es gab zur damaligen Zeit mehrere Versuche kubistische Räume zu gestalten. Hier machte iches mit Spiegel.


Bei fractalen Bildern entsteht der Raum auch oftmals aus korrespondierenden Flächen.
Wie entwickelt sich der Raum durch sich überlagernde fractale Elemente?

Bei diesem Bild bleibt das zentrale Element der Gitarre erhalten. Zumindest wird es
erkannt, wenn man darauf hinweist.


Es ist ein experimentelles Bild, kurz bevor die Komposition das bildneriche verläßt und sich im Abstrakten auflöst.

Bild der Woche 21

 

Bildgeschichten - Dahin!

Blick zurück

Dahin!


Diese Bild ist die fractale Fortführung des Bild Wohin? aus dem Jahr 2008.

 

Dahin! zeigt das kontinuierliche Fortschreiten in die fractal photography.

Das Source photo kommt aus der gleichen Aufnahmesequenz wie bei Wohin?

Die Figur ist jedoch abstrakter, löst sich fast auf.

Der Weg selbst führt in das Helle, nicht in das ungewisse Dunkle.

Bild der Woche 17

 

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